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Überschrift

Ostfriesen-Zeitung

Datum:

09.09.2017

Inhalt

Inklusion über Grenzen hinweg

SOZIALES Deutsche und polnische Werkstätten zelebrierten Kulturfest in Emden

Die Kooperation stammt aus der Zeit des Kalten Krieges in Europa. Zu den Aufführungen in der Nordseehalle kamen knapp 500 Zuschauer – und Landesministerin Cornelia Rundt (SPD).

EMDEN - Manchmal sind Glücksgefühle einfach nur überwältigend. Eine junge behinderte Frau erlebte am Freitag in der Emder Nordseehalle solch einen starken Moment: Die letzten Töne ihres Auftritts waren gerade verklungen, da brach die Darstellerin auf der Bühne laut in Tränen aus. Vor ihr saßen fast 500 Menschen und applaudierten. Das Finale des 6. Deutsch-Polnischen Musik- und Kulturfestivals war eröffnet.

Monatelang hatten sich dies- und jenseits der Landesgrenze Behindertengruppen in ihren Werkstätten auf den Termin in Ostfriesland vorbereitet (die OZ berichtete). Jeweils eine polnische und eine deutsche Gruppe sollten zusammen auf der Bühne stehen. Manche zeigten Ausdruckstänze und lange Choreographien, andere trommelten.

Die Wurzeln des Projekts reichen bis in die Zeit des Kalten Krieges in Europa, erinnerte Aleksandra Kowalska in ihrem Grußwort. Sie ist verantwortlich für die Sozialpolitik in der Region Großpolen. „Von unseren Partnern konnten wir lernen, was Demokratie heißt", sagte sie am Freitag mit Hilfe eines Übersetzers. Die Kooperation sei schon in den 80er Jahren unterzeichnet worden.

Kowalskas Amtskollegin in Niedersachsen, Sozialministerin Cornelia Rundt (SPD), beschwor in Emden die verbindende Kraft eines solchen Festivals. Nichts könne Menschen ohne eine gemeinsame Sprache besser zusammenbringen als Kultur und Musik, sagte sie. Außerdem rücke das Festival das Thema Inklusion „in den Mittelpunkt der Gesellschaft".

Ausrichter für die sechste Auflage des Festivals, das im Rhythmus von zwei Jahren in Großpolen beziehungsweise Niedersachsen ist, war die Ostfriesische Beschäftigungs- und Wohnstättengesellschaft (obw). Emdens Oberbürgermeister Bernd Bornemann wies in der Nordseehalle auf die Bedeutung der obw hin. Nach Volkswagen und Enercon sei sie der drittgrößte Arbeitgeber in der Region, sagte er.

Der Festivalhöhepunkt mit den Auftritten aller Gruppen zog sich in der Nordseehalle bis in die Abendstunden. Dann ging es für die 220 Teilnehmer zurück in die Jugendherberge nach Neuharlingersiel, wo sie seit dem 3. September alle gemeinsam untergebracht sind.

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