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26. Juli 2022

Frauenbeauftragte der obw – Was steckt dahinter?

Frauenbeauftragte der obw – Was steckt dahinter?

Seit 2017 gibt es Frauenbeauftragte im Unternehmen. Im Rahmen des BTHG (Bundesteilhabegesetz) hat die ursprüngliche WMVO (Werkstättenmitwirkungs-Verordnung) Änderungen erfahren – wie zum Beispiel die Einführung der Frauenbeauftragten. Somit wurden vor fünf Jahren erstmalig Frauenbeauftragte von Mitarbeiterinnen der obw gewählt.

Das Thema und Angebot der Frauenbeauftragten in WfbM (Werkstätten für Menschen mit Behinderung) ist so gesehen, noch relativ jung und doch sehr wichtig.

Wusstest du, dass Frauen mit Beeinträchtigung besonders häufig Gewalt und Diskriminierung erleben? Diese Erkenntnis wurde im Rahmen der Studie Lebenssituation und Belastungen von Frauen mit Beeinträchtigung und Behinderung in Deutschland deutlich – und somit waren diese Erkenntnisse mit verantwortlich für die „Verankerung“ von Frauenbeauftragten in der WMVO.

In der WMVO sind auch die Aufgaben der Frauenbeauftragten festgelegt. Hier geht es um die Interessenvertretung, der in der Werkstatt beschäftigten Frauen gegenüber der Werkstattleitung. Dabei handelt es sich um geschlechtsspezifische Interessen

  •         Gleichstellung von Frauen und Männern
  •         Vereinbarkeit von Familie und Beruf
  •         Schutz vor körperlicher, sexueller und psychischer Belästigung

Mit der Frauenbeauftragten steht eine Ansprechpartnerin „aus den eigenen Reihen“ zur Verfügung. Somit ist die Frauenbeauftragte genauso als Mitarbeiterin in einem arbeitnehmerähnlichen Rechtsverhältnis beschäftigt, wie ihre Kolleginnen.

Frauenbeauftragte müssen von der Werkstattleitung angehört werden. Sie haben ein Mitwirkungsrecht, und sie müssen von der Werkstattleitung über geplante Änderungen informiert werden.

Anika Ulitze hat sich für die Wahl zur Frauenbeauftragten aufstellen lassen, weil das „ihr Ding“ ist.

Unsere Frauenbeauftragte

Die vorsitzende Frauenbeauftragte ist seit 2021 Anika Ulitze. Diese Position begleitet sie bereits seit 2017, dem Jahr in dem erstmals Frauenbeauftragte bei der obw und in WfbM’s gewählt wurden.

Anika arbeitet selbst in einem Werkstattbereich, im CNC* Bereich und ist somit „middenmang“ – d.h. mittendrin. Das ist ihr wichtig. Sie mag ihre Arbeit, zu der auch eine wichtige Qualitätssicherungsaufgabe zählt: Sie bricht unter anderem „gefräste Elemente“ in Handarbeit aus und schleift ggf. überstehende Stege ab.

Wenn Anika nicht im Werkstattbereich arbeitet, ist sie als Frauenbeauftragte im Einsatz. An sie können sich alle 300 Frauen aus dem Werkstatt Arbeitsbereich und die Frauen, die im Rahmen des Berufsbildungsbereichs in den Werkstätten qualifiziert werden, wenden.

Als Frauenbeauftragte hat sie auch eine Stellvertreterin: Xenia Mazepa. Sie arbeitet in der EMLO in Leer.

Das Team der Frauenbeauftragten besteht aus drei Frauen – Xenia ist die Stellvertretende Frauenbeauftragte und arbeitet in Leer

Die Assistenz von Anika ist Annegret Voß. Sie unterstützt die Frauenbeauftragte in vielfältiger Weise – von der Annahme bzw. Führung von Telefonaten, beim Schriftverkehr oder in der gemeinsamen Planung von neuen Aktivitäten und beim Aufbau von Netzwerken.

Selbstverständlich steht der Frauenbeauftragten ein eigenes, komplett ausgestattetes Büro mit modernster Technik und erforderlichen Kommunikationsmitteln zur Verfügung. Hier finden regelmäßige Treffen und Austausch zwischen Frauenbeauftragter, Stellvertreterin und Assistenz statt. Und natürlich ist das Büro auch Anlaufstelle und Rückzugsort für Frauen, die sich der Frauenbeauftragten anvertrauen möchten bzw. Rat suchen.

*CNC = eine mittels Computer gesteuerte Maschine – in diesem Fall eine Fräse. Mit hoher Genauigkeit werden hier Bauteile für die Industrie erstellt.

Die Erfahrungen der obw Frauenbeauftragten

Die Frauenbeauftragte steht für Belange von Frauen mit Beeinträchtigung zur Verfügung, wenn diese aufgrund ihres Geschlechts oder ihrer Beeinträchtigung Nachteile oder sogar Gewalt erfahren.

Wie Anika Ulitze berichtet, ist es oft das Thema „Liebe“, das eine Rolle spielt. Manchmal geht es hier um Berührungen und den Umgang damit, wenn diese Dinge ohne Einverständnis der Frau geschehen.

Anika und ihre Vertreterin Xenia haben ein offenes Ohr. Sie hören zu. Sie versuchen zu verstehen. Alles was man ihnen anvertraut, ist und bleibt vertraulich. Davon erfährt niemand im Unternehmen und auch sonst keiner, wenn das nicht gewünscht ist.

Manchmal hilft es schon, dass einfach eine Vertrauensperson da ist. Bei ihr kann sich die Betroffene aussprechen. Der erste Druck ist weg. Gemeinsam mit der Frauenbeauftragten kann die Betroffene dann erörtern, was in der Situation hilfreich ist, um danach den ersten oder nächsten Schritt einzuleiten – natürlich immer nur, wenn die Betroffene dazu bereit ist.

Anika Ulitze hat auch eine Stellvertreterin als Frauenbeauftragte: Xenia Mazepa.

Frauenbeauftragte – Eine Kollegin auf Augenhöhe

Anika wurde von den Wahlberechtigten, also allen weiblichen Werkstattbeschäftigten, als eine von vier Kandidatinnen zur Frauenbeauftragten gewählt. Sie hat sich für die Wahl aufstellen lassen, weil das „ihr Ding ist“. Sie möchte Frauen helfen. Gefragt nach der eigenen Motivation, sagt Anika Ulitze: „Ich kann mich sehr gut in die Frauen hineinversetzen. Ich weiß, wie sie sich fühlen. Ich möchte unterstützen und helfen – für sie da sein, wenn sie Fragen haben.“

Bestärkt, sich als Frauenbeauftragte zu engagieren, wurde sie von ihrer ersten Fachkraft. Sie wusste schon damals, dass Anika so viel Empathie mitbringt, dass sie dafür die Richtige ist.

Das besondere an der Frauenbeauftragten ist sicherlich auch, dass sie nicht Vorgesetzte ist, nicht zum Sozialen Dienst zählt, nicht Psychologin ist – sondern eine Kollegin, eine Mitarbeiterin. Man begegnet sich auf Augenhöhe. Die Hemmschwelle, sich anzuvertrauen, ist vergleichsweise niedriger.

Die Frauenbeauftragte ist eine Kollegin auf Augenhöhe und damit für Betroffene oft leichter anzusprechen

Pläne für die Zukunft für ratsuchende Frauen in der obw

Die Frauenbeauftragte, ihre Stellvertreterin und ihre Assistenz haben Pläne für die Zukunft.  Zum einen möchten sie die Kolleginnen darin bestärken, sich bei Bedarf an sie zu wenden. Ihre Tätigkeit in der obw wollen sie noch bekannter machen: Sie aktualisieren Aushänge an den Info-Tafeln & Schaukästen und auch über das digitale Info-System „Mebis“ soll es zukünftig wieder Informationen geben.

Zum anderen sind sie auf der Suche nach Partnerschaften: Zum Beispiel sollen in Kooperation Selbstbehauptungs- und Selbstverteidigungskurse angeboten werden.

Der Austausch mit externen Hilfestellen soll gepflegt werden, genauso der Austausch mit anderen Frauenbeauftragten in WfbM’s. Hier steht im Vordergrund, aus Erfahrungen zu lernen und gegenseitig Hilfestellung zu leisten inkl. Austausch von Tipps und Ideen für die Themen und die Arbeit der Frauenbeauftragten.